von Claudius A. Nagel, © 2003
Immer wieder werden wir gefragt, wie Mindmachines konkret zum Zwecke des beschleunigten Lernens eingesetzt werden können. Ich habe die Häufigkeit dieser Frage zum Anlass für diesen Beitrag genommen und möchte hiermit über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Mindmachines zu diesem Zwecke informieren. Das Hintergrundwissen über die Wirkungsweise von Mindmachines bzw. der audiovisuellen Stimulation (AVS) im Allgemeinen sowie über die verschiedenen Bewußtseinszustände setzte ich im folgenden als bekannt voraus und verweise diesbezüglich auf den Beitrag Faszination im Kino des Geistes.
Grundsätzlich müssen wir zunächst die Einsatzmöglichkeiten
der AVS im Sinne einer Lernvorbereitung, einer Lernbegleitung,
einer Lernnachbereitung sowie eines Langzeit-Trainings unterscheiden:
1. Lernvorbereitung
Die Grundlage dieser Variante der Lernunterstützung beruht auf
dem sogenannten Yerkes-Dodson-Gesetz, welches besagt, dass die kognitive
Leistungsfähigkeit einer Person in direktem Zusammenhang mit ihrem
geistigen und emotionalen Aktivierungsniveau steht. Die Beziehung zwischen
diesen beiden Parametern ist jedoch keine lineare! Vielmehr besteht die
zentrale Aussage des Yerkes-Dodson-Gesetzes darin, dass ein Niveau mittlerer
Aktivierung bzw. Erregung im Hinblick auf die kognitive Leistungsfähigkeit
das Optimum darstellt.
Konkret bedeutet dies, dass unsere kognitive Leistungsfähigkeit,
also unsere Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und
zu enkodieren, in einem Zustand entspannter Aufmerksamkeit am höchsten
ist.

Die Bemühungen, einen solchen Bewusstseinszustand zum Zwecke des beschleunigten Lernens herbeizuführen und aufrecht zu erhalten bezeichnet man als Lernzustandsregulierung. Die audiovisuelle Stimulation durch Mindmachines stellt hierfür ein geeignetes Werkzeug dar.
Im Sinne einer Lernvorbereitung muss uns also daran gelegen sein, vor dem Lernprozess einen Bewusstseinszustand zu induzieren, der sich durch eine gesteigerte Fähigkeit zur Informationsaufnahme und -verarbeitung sowie eine hohe Konzentration und geistige Klarheit kennzeichnet. Da diese Kennzeichen insbesondere mit dem Alpha-Zustand einhergehen, ist insbesondere er es, der im Rahmen einer Lernvorbereitung für uns von Interesse ist. Analog zum Yerkes-Dodson-Gesetzt entspricht der für eine entspannte Aufmerksamkeit typische Alpha-Zustand zudem einem Niveau mittlerer Gehirnaktivierung und geht somit mit einer optimalen kognitiven Leistungsfähigkeit einher.
Konkret bedeutet dies, dass unsere Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu enkodieren durch eine vor dem eigentlichen Lernprozess stattfindende 15 – 20 minütige Stimulationssitzung im Alpha-Bereich signifikant gesteigert werden kann. Dass es sich hierbei nicht bloss um eine Behauptung handelt wird durch zahlreiche, empirische Studien belegt. Unter anderem ist hierbei eine groß angelegte Studie des Hochschuldidaktischen Zentrums in Zusammenarbeit mit der Professur für pädagogische Psychologie an der Universität der Bundeswehr Hamburg zu erwähnen, bei welcher vier verschiedene Experimentalgruppen einem Testverfahren unterzogen wurden, welches aus einem Lern- und Gedächtnistest sowie einem Intelligenztest bestand. Hierbei wurden drei der Experimentalgruppen unmittelbar vor dem Test einer audiovisuellen Stimulationssitzung unterzogen. Eine Gruppe wurde mit Theta-Frequenzen stimuliert, eine mit Alpha-Frequenzen und die dritte Gruppe schließlich mit Beta-Frequenzen. Die vierte Gruppe diente als Kontrollgruppe und erhielt keine Stimulationssitzung. Die Auswertung des Testverfahrens erbrachte das Ergebnis, dass die Alpha-Gruppe gegenüber den drei anderen Gruppen sowohl hinsichtlich der Gedächtnisleistung als auch hinsichtlich der intellektuellen Leistung signifikant überlegen war. Eine audiovisuelle Stimulationssitzung im Alpha-Bereich wirkt sich folglich begünstigend auf einen nachfolgend stattfindenen Lernprozess aus.

2. Lernbegleitung
Ebenso wie zur Lernvorbereitung lässt sich die audiovisuelle Stimulation
natürlich auch im Sinne einer Lernbegleitung – also während
des Lernprozesses – einsetzen. Das Problematische an dieser Variante ist
jedoch die Frage, wie der Lernstoff begleitend zur audiovisuellen Stimulationssitzung
aufgenommen werden kann, wenn doch der visuelle Wahrnehmungskanal durch
die Lichtbrille und der auditive Kanal durch die Kopfhörer belegt
ist?
Eine Lösung hierfür bietet die AudioStrobe-Technologie, welche
die Kodierung auditiver Medien mit Steuersignalen für die Lichtbrille
ermöglicht. Da der visuelle Wahrnehmungskanal dabei nach wie vor durch
die Lichtbrille belegt wird, können zwar auch hier die Informationen
ausschliesslich auditiv aufgenommen werden und zudem setzt diese Methode
ein - mit den jeweiligen Lerninhalten aufbereitetes und mit AudioStrobe-Signalen
kodiertes - auditives Lernmedium voraus, jedoch eignet sich diese Methode
hervorragend für das Sprachenlernen sowie auch für andere Lerninhalte,
die vornehmlich auditiv oder in Form von Texten vermittelt werden. Wer
also dazu bereit ist, die Zeit zu investieren und eigens gesprochene Lerninhalte
am Computer mittels eines Audio-Recorders als Klangdatei (wav-Datei) aufzunehmen,
dem sei die Software MindExplorer empfohlen, welche in unserem Downloadbereich
als kostenlose Demoversion erhältlich ist. Die Software erlaubt das
Einbinden der aufgenommenen Klangdateien – also der gesprochenen Lerninhalte
- in entsprechende AVS-Programme, welche zum Zwecke der Lernbegleitung
idealerweise im Alpha-Bereich arbeiten sollten.
Wem die Erstellung AudioStrobe-kodierter Lernmedien zu aufwendig ist,
der kann auch während des Lernprozesses auf die Lichtstimulation verzichten
und sich während der Auseinandersetzung mit dem Lernstoff (z. Bsp.
während des Lesens eines Lehrbuches) auch rein auditiv über die
Kopfhörer stimulieren lassen. Zwar ist die Stimulationswirkung dann
nicht so intensiv, jedoch stellt diese Variante eine opportune und zeitlich
angemessene Alternative zur Erstellung eigener Lernmedien dar.
Umgekehrt können auch bereits vorhandene, auditive Lernmedien
ohne AudioStrobe-Kodierung (z. Bsp. Sprachkurse auf CD) mit begleitender,
rein visueller Stimulation eingesetzt werden. In diesem Fall nimmt man
über die Kopfhörer lediglich die Lerninhalte wahr (verzichtet
also auf die auditive Stimulation) und lässt sich begleitend dazu
rein visuell über die Lichtbrille stimulieren.
Letzten Endes jedoch ist der Einsatz der AVS im Sinne einer Lernbegleitung auch nicht unbedingt erforderlich, da die Wirkung einer Stimulationssitzung nachgewiesenermassen über ein bis mehrere Stunden anhält und somit eine vorbereitende Stimulationssitzung vor dem eigentlichen Lernakt dem Zwecke des beschleunigten Lernens vollkommen Genüge tut.
Emfehlenswerte Programme zur Lernvorbereitung oder zur Lernbegleitung
sind:
a) Lernen mit Kassetten und Entspannung vor Examen (in
Proteus und Orion enthalten)
b) alle MinLab Energetisierung - Programme (nur im Proteus enthalten)
c) Beginner´s Alpha und Express Relaxation (im
MindExplorer enthalten)
3. Lernnachbereitung
Im Sinne einer Lernnachbereitung steht weniger die Fähigkeit zur
Informationsaufnahme sondern vielmehr die Enkodierung der aufgenommenen
Informationen in Vordergrund des Interesses. Auch im Anschluss an den
Lernakt kann eine Stimulationssitzung daher sinnvoll sein, jedoch ist es
hierbei nicht der Alpha-Zustand, sondern der Theta-Zustand, der
uns in diesem Zusammenhang von Diensten ist. Konkret bedeutet dies, dass
eine halbstündige Theta-Sitzung im Anschluss an den Lernakt die Enkodierung
der zuvor aufgenommenen Informationen im Langzeitgedächtnis begünstigt.
Dies liegt darin begründet, dass Thetawellen in direktem Zusammenhang
mit der Bildung neuer Synapsen und somit mit der Enkodierung aufgenommener
Informationen auf physischer Ebene stehen. Dies geht ferner mit den Erkenntnissen
der Schlafforschung einher, wonach der Mensch die im Laufe des Tages aufgenommenen
Eindrücke und Informationen nachhaltig auf einer tieferen Bewußtseinsebene
verarbeitet und speichert. Studien über die Auswirkungen von Schlafentzug
belegen ferner, dass die Fähigkeit zur Enkodierung von Informationen
mit zunehmendem Schlafentzug drastisch abnimmt – und typisch für den
nächtlichen Schlaf ist eben nun einmal das Auftreten von Thetawellen.
Sitzungen zur Lernnachbereitung sollten jedoch alleine schon aus zeitlichen
Gründen nicht im Anschluss an jeden einzelnen Lernakt erfolgen. Es
ist vollkommen ausreichend, eine solche Sitzung an eine längere Lernperiode
anzuschliessen, welche durch kleinere Pausen unterbrochen worden sein kann.
Die Sitzung zur Lernnachbereitung leitet somit das Ende des Lernaktes ein
und dient gleichsam zu Regeneration psychischer Energien. Ein idealer Zeitpunkt
für eine solche Sitzung ist insbesondere die Abendzeit im Anschluss
an die Lernprozesse oder auch eine längere Nachmittagsunterbrechung.
Ebensowenig ist es während einer Sitzung zur Lernnachbereitung
erforderlich, den zuvor gelernten Stoff geistig nochmals zu reflektieren,
da dies die Wirksamkeit der Stimulation behindern würde. Vielmehr
ist es für die Enkodierung der zuvor aufgenommenen Informationen ideal,
einen Zustand der Gedankenleere herzustellen oder die Gedanken wenigstens
frei fliessen zu lassen.
Emfehlenswerte Programme zur Lernnachbereitung
sind:
a) Regeneration, Tiefe Meditation und Tiefes Loslassen
(in
Proteus und Orion enthalten)
b) alle MinLab Lernen - Programme (nur im Proteus enthalten)
c) Effective Learning, Theta Exploration und Deep
Relaxation (im MindExplorer enthalten)
4. Langzeit-Training
Doch die audiovisuelle Stimulation ist nicht nur in unmittelbarer Verbindung
mit dem Lernprozess für uns von Interesse. Andere Studien haben gezeigt,
dass die audiovisuelle Stimulation sich auch bei einem Langzeittraining
im Sinne regelmässiger Anwendung begünstigend auf Lernprozesse
auswirkt – und zwar auch dann, wenn die Stimulationssitzungen in keinem
direkten, zeitlichen Zusammenhang mit den Lernprozessen stehen. Gemäß
einer sechswöchigen Untersuchung des Psychologischen Instituts III
der Universität Hamburg ergaben sich in deren Verlauf hochsignifikante
positive Veränderungen in der psychischen Befindlichkeit sowie in
der Leistungsorientierung der Probanden, die während dieser Zeit regelmässige
Stimulationssitzungen erhielten.
Eine neunmonatige Studie der Western Washington University, welche
mit dortigen Problemstudenten durchgeführt wurde, hatte ferner zum
Ergebnis, dass sich die schulischen Leistungen – also die Noten der Testgruppe
gegenüber denen der Kontrollgruppe in Folge regelmässiger Stimulationssitzungen
im Alpha-Bereich signifikant verbesserten.
Eine Pilotstudie des Research Centers for Alterantive Medicine in Calgary
bezüglich der audiovisuellen Stimulation erbrachte darüber hinaus
positive Ergebnisse in der Behandlung von ADS-Patienten als Alternative
zur Verabreichung von Ritalin.
Weitere Einsatzgebiete der audiovisuellen Stimulation bestehen in der Reduktion von Ängsten und Stresszuständen im Rahmen von Prüfungsvorbereitungen, da die mentale Entspannungswirkung der Treatments gleichzeitig auch mit einer Steigerung der Stressresistenz einhergeht.
Audiovisuelle Stimulationssysteme (Mind-Machines) finden Sie in der
DreamStore.